Steinmeier betont Rolle der deutschen Wirtschaft beim Afrika-Aufbau

BANJUL (Dow Jones)–Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bedeutung der deutschen Wirtschaft beim Aufbau Afrikas hervorgehoben. Nicht Europa habe die Antworten auf die Herausforderungen in Afrika, diese könne nur der Kontinent selber geben, sagte Steinmeier zum Abschluss seiner Afrika-Reise am Donnerstag in der gambischen Hauptstadt Banjul. Deutsche Entwicklungszusammenarbeit könne afrikanische Lösungen jedoch wirksam unterstützen. „Die deutsche Wirtschaft hat eine wichtige Rolle in dieser Diskussion über neue Ansätze, gerade in der Ausbildung“, erklärte der Bundespräsident.

Steinmeier lenkte den Blick auf die Wirtschaftsdelegation, die ihn während seiner Reise nach Ghana und Gambia begleitete. Die Delegation habe in Gambia erste Gespräche mit dem Energieminister und dem Wirtschaftsminister des Landes führen können, sagte der Bundespräsident. Dabei habe die deutsche Seite verstanden, dass eine der Prioritäten in Gambia die Sicherung der Energieversorgung sei.

Nothilfe für Energiesicherheit

Deshalb wolle man die Zusammenarbeit zunächst auf den Energiesektor konzentrieren, sagte Steinmeier. Dies geschehe in einem ersten Schritt mit Nothilfemaßnahmen, beispielsweise durch die Instandsetzung bereits vorhandener Generatoren. In einem zweiten Schritt könne man dann die langfristige und nachhaltige Energieversorgung vorbereiten. Dies werde man seitens des Bundespräsidialamtes mit den zuständigen Ministerien und anderen Stellen in Deutschland so besprechen.

Der gambische Präsident Adama Barrow erklärte, seine Erwartungen an Deutschland seien hoch. Er erhoffe sich Ausbildungs-Unterstützung in den Bereichen Technologie und Hochschule, damit die Menschen in Gambia die entsprechenden Fähigkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes selber entwickeln könnten.

Adama erklärte überraschend zudem, sein Land unterstütze im Rahmen der Afrikanischen Union das Bemühen Deutschlands um einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Diese Unterstützung beruhe „auf den guten Beiträgen, die Deutschland für den Frieden in der Welt geleistet hat“.

Klein, aber mit Potenzial

In Gambia, dem flächenmäßig kleinsten Staat des afrikanischen Festlandes, sind die Betätigungsfelder für die deutsche Wirtschaft bei nur rund 2 Millionen Einwohnern derzeit noch gering. Gleichwohl nahmen zwei Drittel der hochrangig besetzten, 18-köpfigen Wirtschaftsdelegation im Gefolge Steinmeiers auch an diesem Reiseabschnitt teil.

Zwei Jahrzehnte unter dem autokratisch regierenden Staatspräsidenten Yahya Jammeh hatte die Temperatur zwischen der Europäischen Union und Gambia auf den Nullpunkt abkühlen lassen. Jammeh wurde jedoch bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2016 völlig überraschend abgewählt.

Sein Nachfolger wurde Adama Barrow, der für eine Rückkehr zur Demokratie steht. Unter seiner Regie intensivieren sich die Beziehungen wieder und auch das Interesse der deutschen Wirtschaft an Gambia steigt, wie das Auswärtige Amt konstatiert: „Insbesondere deutsche Tourismusunternehmen beginnen, ihre Kapazitäten zu erweitern und rechnen mit einem spürbaren Anstieg der deutschen Touristenzahlen in Gambia.“