Modedesign aus Ruanda: Afrika zieht an


 
 
 

Die Luxusmarken in Mailand und Paris lassen sich von Mode aus Afrika inspirieren. Designer, die auf dem Kontinent zu Hause sind, finden das ungerecht. Sie drängen nun selbst auf den europäischen Markt.

Die jüngste Dior-Vorführung kam gut an bei der Fachpresse. Von Kleidung, die „klug und schön“ sei, schrieb die „Vogue“. Für Vanessa Friedman, Chefkritikerin der “ New York Times“, war die Kollektion „gut gemacht“. Joselyne Umutoniwase war weniger begeistert. „Jedes Jahr entdeckt und verwendet ein anderer Designer afrikanische Kultur und macht damit Geld, ohne zu erklären, aus welcher Kultur diese Inspiration kommt. Und dafür werden sie gefeiert“, sagt Ruandas momentan wohl angesagteste Modedesignerin.

Konkret ärgert sich die 31-Jährige über die olivgrünen Blusen mit afrikanischen Stickmustern. Drei Oberteile sind damit verziert. Mit der Batiktechnik Shibori finden sich zwar auch japanische Einflüsse in der Kollektion, doch Afrikas Kultur scheint europäische Designer in der jüngsten Zeit besonders zu faszinieren.

Denn das französische Modehaus ist nicht die erste Marke, die aktuell mit Mustern aus fremden Kulturen arbeitet – und aneckt. In Afrikas Modeszene ist die Rede von Mode-Kolonialismus und kultureller Aneignung. Der Vorwurf: Die Großen der Modebranche holen sich Inspiration aus Afrika, ohne dass das Land davon profitiert. So verarbeitete Stella McCartney für Kleider ihrer Frühlingskollektion 2018 Stoffe, die viele Menschen an Ankara erinnerten, ein traditionelles Muster das besonders in westafrikanischen Ländern wie Nigeria beliebt ist.

Ein Jahr zuvor hatte bereits die Marke Valentino mit einer von afrikanischer Stammeskultur inspirierten Kollektion für Aufregung gesorgt. Für die zugehörige Werbekampagne wurden Maasai-Krieger als Staffage genutzt, vorgeführt wurde die Mode aber fast ausnahmslos von weißen Models. Dass die Kollektion in den Shownotizen mit den Adjektiven „wild“ und „primitiv“ beschrieben wurde, machte die Sache nicht besser. Ausgedacht hatten sich das damals Pierpaolo Piccioli und Maria Grazia Chiuri. Chiuri ist heute Designerin bei Dior.

In Modemagazinen, in Werbekampagnen, auf Laufstegen: Joselyne Umutoniwase entdeckt seit einigen Jahren immer wieder afrikanische Einflüsse. „Nicht nur in Kleidern, sondern auch beim Thema Hairstyling oder Accessoires.“ Sie war gerade in Mailand, um bei der Modewoche dort ihr Label Rwanda Clothing vorzustellen. „Afrika ist in, das finde ich toll. Das bringt uns ins Gespräch. Doch die Designer sollten auch benennen, woher sie ihre Inspiration nehmen!“

An die 150 Kleidungsstücke produziert Rwanda Clothing im Monat. Maßgeschneidert. Umutoniwase hat die Marke 2012 gegründet. Der Startschuss fiel in Deutschland. Umutoniwase war damals noch Filmproduzentin und von Regisseur Volker Schlöndorff zu einem Workshop nach Berlin eingeladen. Im Gepäck hatte die junge Ruanderin ihre ersten selbst entworfenen Stücke – sie verkaufte sie wie warme Brötchen. Rund 700 Euro verdiente sie damit. Das Geld war ihr Startkapital.

Sechs Jahre später ist sie mit ihrer Kombination aus traditionellen Stoffen und modernen Schnitten auf Erfolgskurs. Sie beschäftigt 35 Angestellte, ein Online-Shop ist im Aufbau. Dass sie jetzt in Mailand präsentieren durfte, ist für sie ein enormer Schritt. „Was uns afrikanischen Designern bisher gefehlt hat, ist die internationale Aufmerksamkeit,“ erklärt sie.

Das Internet und Influencer könnten das ändern. Als Pop-Ikone Beyoncé auf ihrer Webseite Fotos veröffentlichte, auf denen sie Kleider der senegalesischen Designerin Sarah Diouf trägt, wurde deren Label Tongoro quasi über Nacht bekannt.