Der schwarze Kontinent versucht die inneren Grenzen abzubauen

Reisen nach und vor allem durch Afrika sind noch mit gewissen Hindernissen verbunden. Einige afrikanische Staaten beginnen jetzt aber, die Türen zu öffnen – zugunsten von Wirtschaft und Tourismus.


Afrika, der zweitgrösste Kontinent der Erde, schneidet hinsichtlich wirtschaftlicher oder politischer Kriterien weltweit immer noch vergleichsweise schlecht ab. Doch der «schwarze Kontinent» erfreut sich aktuell vielerorts einer Aufbruchstimmung und eines Zukunftsglaubens – und nun werden auch wieder alte Ideen wach. Eine davon ist die freie Personenbewegung afrikanischer Bürger quer durch den Kontinent, ja sogar die Schaffung eines vereinten afrikanischen Reisepasses.

Natürlich ist das noch Zukunftsmusik, aber einige Staaten haben in den letzten Monaten den Weg vorgespurt und gezeigt, dass freier Personenverkehr ein wesentliches Element von wirtschaftlichem Wachstum ist. Und dabei spielt natürlich auch der Tourismus eine wichtige Rolle: Afrika, mit seiner unvergleichlichen Natur und seiner Fülle an Unesco-Welterbestätten, sieht dort noch viel Potenzial.

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta hat Ende November bei seiner zweiten Amtsvereidigung angekündigt, dass künftig die Bürger sämtlicher Staaten Afrikas ein «Visa on arrival» erhalten würden. Vorreiter dafür war übrigens Ruanda. Seit 2013 erhalten alle Afrikaner dort ein «Visa on arrival», und ab 2018 wird Ruanda gar die Visumspflicht für Bürger weltweit abschaffen. Dem Beispiel von Ruanda ist inzwischen auch Benin gefolgt.

Moussa Faki Mahamat, der Chairman der Afrikanischen Union (AU) – in welcher die meisten Staaten Afrikas Mitglied sind – rief die Mitgliedstaaten via Twitter dazu auf, solche Massnahmen auch bei sich umzusetzen. Laut der AU sollte der 54 Staaten umfassende Kontinent ähnlich der EU oder den USA eine bessere Einheit bilden und den Personenverkehr untereinander vereinfachen, primär, um die Binnenwirtschaft Afrikas anzukurbeln. Während in der EU 70 Prozent der Wirtschaft eine Binnenwirtschaft sind, sind es in Afrika lediglich 16 Prozent.

Europäer reisen leichter durch Afrika als Afrikaner

Wie (wenig) weit es mit dem vielbeschworenen «African Brotherhood» ist, zeigt ein Blick auf die kontinentale Reisefreiheit: Afrikaner können in gerade mal 24 Ländern Afrikas ein «Visa on arrival» erhalten; für 54 Prozent des Kontinents brauchen sie ein Visum. Da haben es Reisende aus der Schweiz leichter.

Immerhin hat die Bewegung in der Visapolitik der ostafrikanischen Staaten Ruanda und Kenia nun zumindest regional für Umdenken gesorgt. Die Mitglieder der «Central African Economic and Monetary Community» haben vor wenigen Wochen die Visumspflicht für Einreisende aus einem der Mitgliedsstaaten untereinander abgemacht. Mitglieder sind dort Gabun, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Tschad, die Republik Kongo und Äquatorialguinea. In den letzten beiden Jahren haben 21 Länder in Afrika ihre Visumsregelungen gelockert: Nebst den Seychellen, wo seit langem eine «No visa policy» gilt, waren dies eben Ruanda, aber auch Ghana, Mauritius, Nigeria oder Benin.

Aus Sicht des Tourismus sind diese Entwicklungen insofern wichtig, als sie es der noch kleinen, aber wachsenden afrikanischen Mittelschicht erlauben, die Länder des eigenen Kontinents einfacher zu bereisen. Das kann wiederum zu Investitionen (aktuell ist China stark mit der Finanzierung zahlreicher Projekte in Afrika beschäftigt) führen und so zu einer Entwicklung eines breiteren Tourismusangebots, was wiederum Arbeitsplätze schafft.

Der Weg ist noch lang

Natürlich wird dieser Prozess dauern und gewisse Konflikte und andere Faktoren verlangsamen die afrikanische Integration mittels Visumsbefreiung. Den oben genannten gesamtafrikanischen Pass gibt es im Prinzip ja schon, im Juli 2016 hat ihn die Afrikanische Union lanciert, allerdings bislang nur Politikern verliehen – vor einer Verteilung an Bürger scheut man sich selbst bei der AU noch.

In Libyen, einem Sammelpunkt vieler afrikanischer Migrationswilliger, ist man von einer Politik der offenen Grenzen sicher noch sehr weit entfernt. Auch das erfolgreiche Südafrika dürfte aus Angst vor massiver Zuwanderung seine Grenzen gegenüber Mitafrikanern weiterhin lieber kontrollieren. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas schliesslich, Nigeria, muss zuerst interne, oftmals religiöse Konflikte klären.

Es darf trotzdem gehofft werden, dass noch mehr Staaten dem Beispiel von Kenia folgen und dieser wunderbare Kontinent auf eigene Stärken setzt, welche wiederum internationalen Touristen zugute kommen werden.



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